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Rückblick auf den Bachelor

Endlich ist es soweit: Alle Prüfungen sind geschrieben, alle Scheine abgegeben, die Abschlussarbeit ist auch seit Monaten durch: Ich habe mein Bachelor-Studium erfolgreich abgeschlossen! Es ist an der Zeit zurück zu blicken und mal genauer anzuschauen, was ich die letzten Jahre eigentlich gemacht habe.

 

Beginnen wir mit den Eckdaten: Ich habe direkt nach meinem Abitur 2012 mit dem Studium auf Bachelor Informatik am Karlsruher Institut für Technologie – kurz KIT – begonnen. Das Studienfach ist zulassungsfrei, also war mein Abi-Schnitt so oder so egal.

 

Wer sich jetzt fragt: „Ist das nicht fast fünf Jahre her?“ liegt richtig: Ich habe für das Studium 4,5 Jahre bzw. neun Semester benötigt, was auch gleichzeitig Maximalstudiendauer ist. Geplant sind normalerweise 6 Semester, die meisten brauchen 7. Warum ich ein Jahr länger gebraucht habe? Habt ihr schon von meinem YouTube-Kanal gehört?

 

Das Studium war… alles in allem… spannend. Und sehr neu. Also nicht nur, wegen der Sache mit dem Von-Zuhause-Ausziehen und der Selbstständigkeit, sondern eben auch wegen dem eigentlichen Inhalt. Wobei ich gleich am Anfang schon mal dazu sagen möchte: Hätte ich nur blind eine Vorlesung nach der anderen besucht und mich nicht selbst für viele Themen interessiert, hätte ich bedeutend weniger mitgenommen.

 

Die ersten Semester

Natürlich ist am Anfang des Studiums als Erstsemester (kurz: „Erstie“) erstmal alles neu. Nicht nur, dass Uni komplett anders ist als Schule, sondern eben auch die Selbstständigkeit, wenn man von zuhause wegzieht. Früh wurde uns gesagt, dass jeder zweite von uns das Studium nicht überleben würde. Da der Studiengang zulassungsfrei ist, zeigt sich eben erst während dem Studium, wer gut genug ist. Und die Mathe-Klausuren erledigen den Rest.

 

Und die ersten Semester waren voll mit Mathe. Am Anfang sogar mehr als die eigentliche Informatik. Wöchentliche Pflicht-Übungsblätter und die Aussicht auf zwei Monster-Klausuren über den gesamten Stoff am Ende des zweiten Semesters. Viele sind nach den Weihnachtsferien gar nicht erst wieder zurückgekommen. Ein älterer Student hat zu mir gesagt: „Mathe kann man nicht verstehen, an Mathe kann man sich nur gewöhnen.“

 

Was alle Nicht-Mathe-Vorlesungen angeht, gab es im ersten Jahr vor allem die Grundlagen: Programmieren, Objektorientierung, Logik, Softwaretechnik, Algorithmen und technische Informatik. Und dann war das zweite Semester vorbei und die großen Klausuren standen an. Wir haben zwei Monate lang täglich 8 Stunden gelernt und irgendwie bestanden.

 

Der Hauptteil des Studiums

Ab dem dritten Semester begann der Hauptteil des Studiums: Vorlesungen über Statistik, Numerik, Datenbanken, Betriebssysteme, Rechnernetze und theoretische Informatik. Der schlimmste Teil war bereits überstanden, trotzdem sind das alles noch absolute Grundlagen. Alles in allem lagen mir viele der Themen nicht so sehr und meine Noten waren nicht die besten – mit Ausnahme von Softwaretechnik.

 

Neben den Vorlesungen stand im dritten Semester auch noch ein Praxisteil an, in dem wir zeigen sollten, dass wir die theoretischen Grundlagen des ersten Jahres auch im Team einsetzen können und gemeinsam Software entwickeln. Im Rahmen dieser Praxisphase habe ich erstmals mit Andre und Dennis (Code Overflow) zusammengearbeitet. Erinnert sich hier noch jemand an „Path of Artemis“?

 

Die Qual der Wahl

Die ersten zwei Jahre bestehen quasi ausnahmslos aus Pflichtvorlesungen. Hier werden einem die Grundlagen vermittelt, ohne die man später nicht weitermachen könnte. Auch vieles aus Mathe habe ich später wiedergesehen – auch wenn ich das als Erstie nie geglaubt habe.

 

Danach folgen Wahlvorlesungen. Hierbei ist nur vorgeschrieben, wie viel Leistungspunkte belegt werden müssen, ansonsten kann man sich hier beliebig spezialisieren. Vorgegeben ist außerdem, dass mindestens zwei weitere Grundlagenvorlesungen zu einem bestimmten Themengebiet belegt werden müssen. Ich habe mich für Sicherheit (Verschlüsselung usw.) und für Telematik („Wie das Internet funktioniert“) entschieden.

 

Zusätzlich müssen auch fachfremde Prüfungen belegt werden, damit man auch mal „über den Tellerrand hinaus schaut“ und kein „Fachidiot“ wird. Konkret kann man aus einem Haufen anderer Studiengänge wie Physik oder Elektrotechnik wählen. Ich hatte mich für BWL mit Schwerpunkt auf Marketing entschieden – was rückblickend eine unglaublich gute Idee war. Jeder sollte Marketing-Vorlesungen besuchen. Nicht nur für YouTube hatte mir das viel gebracht zu verstehen, wie Werbung und Co. funktionieren.

 

Die letzten Semester

Im weiteren Verlauf meines Studiums hatte ich nicht mehr so viele Vorlesungen besucht und mich vor allem um meinen YouTube-Kanal gekümmert. Nennenswert ist vielleicht noch meine Tutorenausbildung. Jeder Student muss sogenannte Soft-Skills belegen. Hierzu zählen z.B. Sprachkurse oder Soziales bzw. Interaktives. Ich hatte mich für die Tutorenausbildung entschieden, was bedeutet, dass ich Erstsemestern als Tutor zur Seite stand und ihnen als Ergänzung (oder sogar als Ersatz) zum Professor Programmieren beigebracht habe. Kann ich übrigens nur empfehlen. Gutes Geld, und man lernt selbst gefühlt mehr als die Schüler.

 

Die letzte große Vorlesung hatte den Titel „Programmierparadigmen“. Vielleicht klingt das für viele hier bekannt – immerhin beschäftigt sich gefühlt jeder zweite meiner Blog-Posts mit diesem Gebiet. Auch wenn die Prüfung richtig schwer war, finde ich das Themengebiet nach wie vor unglaublich spannend. In dieser Vorlesung habe ich übrigens auch Scala kennengelernt.

 

Die restlichen Prüfungen sind eher nebensächlich. Mal ein bisschen was zu Robotik, mal ein bisschen was zu Multimediakommunikation aka. „Wie YouTube und Skype funktionieren“. Interessant ist hier vielleicht noch mein Proseminar: Als Vorbereitung auf die Bachelorarbeit muss jeder Student eine kurze wissenschaftliche Arbeit abliefern. Ich hatte als Fach Computergrafik und als Thema „Postprocessing am Beispiel von Minecraft-Shadern“. Cool, was?

 

Die Bachelor-Arbeit

Und damit sind wir beim letzten Kapitel meines Studiums angekommen. Im Rahmen meiner Tutorentätigkeit hatte ich bereits das Institut für Softwaredesign und –Qualität (kurz: SDQ) kennen gelernt und hierdurch meine Bachelorarbeit am Forschungszentrum für Informatik (kurz: FZI) gefunden. Diese hatte das Thema: „Inkrementelle Aktualisierungstechniken für Modelle und ihre Datenbankrepräsentation“.

 

Ich muss sagen, dass die Bachelorarbeits-Phase der spannendste Teil des Studiums war. Nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten an einem Forschungsprojekt, sondern auch die intensive Beschäftigung mit einem Themengebiet. Zu meiner Arbeit soll noch ein extra Blog-Post und Video kommen, deswegen hier nur in Kürze ein paar Schlagwörter: Modellgetriebene Softwareentwicklung, inkrementelle Persistenz, Transformationen, relationale Datenbanken. Mehr dazu hoffentlich bald!

 

Und jetzt?

Natürlich war das nur eine kurze Zusammenfassung. Ursprünglich hatte ich diesen Post viel ausführlicher geschrieben, aber so ausführlich interessiert das wohl auch niemanden. Natürlich ist während des Studium viel mehr passiert, als man mal eben auf ein paar Seiten festhalten kann. Immer handelt es sich um mehr als vier Jahre Zeit! Gute Noten, schlechte Noten, Professoren, die in der Vorlesung Gitarre spielen, verrückte Kommilitonen und der Campus-Alltag. Viel zu viel für einen Blog-Post.

 

Klären möchte ich zum Schluss noch die Frage, wie es jetzt für mich weitergeht: Ab April bin ich als Master-Student am KIT eingeschrieben, werde also voraussichtlich nochmal mindestens zwei (eher drei) weitere Jahre studieren. Im Gegensatz zum Bachelor hat man hier jedoch absolute Freiheit und kann alles frei planen und sich spezialisieren. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, sind meine Spezialisierungsfächer: Softwaretechnik- und Architektur, modellgetriebene Softwareentwicklung und Telematik mit Fokus auf Mensch-Maschine-Interaktion. Sicherlich wird es hierzu in Zukunft auch noch mehr Content auf meinem YouTube-Kanal und auf diesem Blog geben!

Habt ihr noch Fragen? Dann nur her damit. Vielleicht fülle ich hiermit einen weiteren Blog-Post oder ein YouTube-Video. Danke fürs Lesen und bis bald!

17 Gedanken zu „Rückblick auf den Bachelor

  1. Gefällt mir, welcher Zielgruppe von Menschen kannst du das Studium empfehlen (meine Schule hat den Studieninformationstag verpennt )

  2. Krass, obwohl wir beide im gleichen Land das Gleiche studieren, habe ich irgendwie viel mehr Freiheiten. Abgesehen davon, dass es keine Maximalstudienzeit gibt (laut höheren Semestlern), habe ich in meinen ersten beiden Semestern laut vorgeschlagenem Plan weniger Fächer und vom Plan kann man ja auch abweichen.

    Ich habe übrigens als Studiengang „angewandte Informatik“ mit dem Anwendungsfach „Dienstleistungsinformatik“ genommen. Also Kerninformatik und bwl+Webtechnologien im Prinzip. Aber ich habe vor noch nebenbei Elektrotechnik, Robotic und alles KI betreffende mitzunehmen. Interessiert mich zu sehr.

    Aber der Blogpost ist sehr interessant, besonders für Leute, die einen zumindest ähnlichen Weg gehen (wollen). Ich möchte allerdings später am liebsten in Richtung KI gehen. Deep Learning oder tatsächlich eine Nachstellung eines menschenähnlichen Gehirns (letzteres sofern Google und Nasa mit ihrem Projekt rund um Quantencomputer Erfolg haben, sonst gibt es nicht annähernd genug Rechenpower). Ansonsten versuche ich mich halt an irgendwelchen Webseitenkonzernen oder als random Informatiker irgendwo xD

    Würde gern noch wissen, wie dein Anfang des Studiums für dich war. Also außer „neu“. Ich habe zum Beispiel schon eine so krass gute Orientierungsphase bekommen, dass ich nur noch gehyped war. Und jetzt, nach dem ersten Semester, auch wenn ich Mathe verkackt habe (hab‘ mich wohl noch nicht dran gewöhnt), bin ich immer noch gehyped. Die Fächer sind fast alle (Mathe -_-) interessant und gut gestaltet. Die Leute hier sind einfach zu geil, es ist wie eine große, offene Familie 😀

    Tatsächlich, obwohl es Informatiker sind, sind die Leute hier wahrscheinlich die offensten Leute auf der ganzen Universität. (NSFW Gruppe auf Telegram inkl. XD)
    Für mich war der Anfang des Studiums außer „neu“ vor allem „geil“ (Hype) und auf jeden Fall ein Kulturschock ^^
    Aber halt ein Schock der guten Sorte. Nach meiner Stufe aufm Gymnasium und generell den Leuten dort habe ich so ziemlich den Glauben an gute Menschen verloren. Aber auf der Uni habe ich bisher KEIN EINZIGES Arschloch gesehen! Ich fasse es immer noch nicht wirklich.

    Und auch generell überrascht mich die Uni immer wieder positiv. Schon alleine, weil sie es geschissen bekommt alles perfekt zu organisieren. Während wir aufm Gymnasium ein Jahr lang eine zerstörte Tür hatten… Oder ein halbes Jahr KEINEN Englischlehrer, wird auf meiner Uni eine winzige (10cm^2) Delle im Boden direkt nach 5 Minuten schön mit Pylonen und Absperrband abgesperrt, damit niemand stolpert. Und nachdem jemand nachts aufm Gelände gestolpert ist und sich verletzt hat, kam direkt danach eine Rundmail mit der Info, dass man mehr Lampen anbauen will und Leute bitte schreiben sollen, wo es sonst noch dunkel ist.
    Das ist eine sooo krasse Umstellung, dass es die Vorlesungen und die Studienform (also die Änderung von der Schule zur Uni) fast schon irrelevant erscheinen lässt.

    Okay, ich habe mal wieder zu viel geschrieben, tut mir leid ;-;

    Gruß
    Panossa

  3. Was fuer ein Ueberraschungspost, haette nicht gedacht das der Blog noch „lebt“ xD (Habs auch nur dank Twitter mit bekommen)

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